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Wertvoll Sein

  • David Sluzewski
  • 21. Oktober 2025
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Wert und Politik


Welchen Wert hat ein Mensch? Ein Amerikanischer Sklavenhändler im 17. Jahrhundert würde beispielsweise „800 Dollar“ sagen. Die Zahl ‚800‘ repräsentierte den vermeintlichen Wert dieses Menschen. Eine andere versklavte Person, die 820 Dollar kostete, war demnach mehr wert. Wir sind uns heute, im 21. Jahrhundert, nahezu überall einig, dass dies eine abscheuliche und dehumanisierende Umgangsweise war. 

Rassismus und rechte Ideologie sind aber immer noch weit verbreitet und leider seit einigen Jahren nun sogar wieder auf dem Vormarsch. Das zentrale Prinzip rechter Gesinnung ist auch heute, dass manche Menschen wertiger, bzw. höhergestellt sind als andere. Zwar sagt man heute nicht „Ihr/Sein Leben ist 200.000€ wert.“, als Beispiel. Jedoch hat gerade der Kapitalismus Tore geöffnet, wie rechte Wertvorstellungen sich an Dinge wie Einkommen, Karrierestufe, Besitz und Macht knüpfen. Wer viel hat, der ist viel und darf sich auch so fühlen. Eine liberale Marktwirtschaft soll dann dazu führen, dass jeder die Chance hat, dies auch zu erreichen. In den U.S.A. nimmt dieses Prinzip dystopische Ausmaße an, als dass ein normales Leben, ohne dem Streben nach finanziellen Reichtümern, quasi nicht möglich ist. Wer nicht zig-tausende Dollar als Rücklage auf seinem Konto hat, muss jederzeit fürchten, dass er durch einen plötzlichen und kurzen Krankenhausaufenthalt bankrott geht, bzw. sich auf Jahrzehnte verschuldet. Der gesamte gesellschaftliche Status des Geringverdieners gilt als Brandmarkung mit verheerenden Folgen für Psyche und Sozialität. Der moderne amerikanische Traum ist eigentlich ein rechtsextremes Höllenkonzept, in welchem man sich mit normalen Bemühungen in der „Unterschicht“ auf einem Balance-Akt am Rande der Existenzlosigkeit bewegt. Nur wer über sich hinauswächst, wird Millionär und ist dann Jemand mit einem Namen. Dass dies so ist, liegt daran, dass das gesamte politische Spektrum in den U.S.A. durch eine rechte und eine ultrarechte Partei abgebildet wird, zwischen welchen sich die Wähler entscheiden dürfen.

In Deutschland gibt es zum Glück (noch) einen funktionierenden Sozialstaat. Man wird vom Staat so weit unterstützt, dass man auch in der „Unterschicht“ gut zurechtkommt. Aber gerade in Deutschland ist das wirtschaftlich rechte Denken so populär wie nie. Dabei wird meist nicht verstanden, dass das Gesamtvermögen sich immer mehr auf einige wenige Menschen konzentriert. Es existiert unter wenig verdienenden, rechten Wählern der Aberglaube, dass wenn superreiche Unternehmer reicher werden, sich dies auch monetär auf die darunter liegenden Arbeiterschichten auswirkt. Dass dies nicht der Fall ist, gilt mittlerweile als bewiesen und alles was passiert, ist dass die Schere zwischen arm und reich immer größer wird. Den Mittelstand von damals gibt es so nicht mehr. Im Sinne der rechten Ideologie, gibt es nun sehr viel mehr minderwertige Menschen.

 

Bedingter und absoluter Selbstwert


Jetzt könnte man sagen: „Okay, aber dann muss ich halt einfach nur hart genug arbeiten und dann bin ich Jemand und fühle mich wertvoll. Faulheit ist ja eh eine Sünde und wer sich nicht anstrengt, der hat es eben nicht verdient!“ Abgesehen davon, dass dies unglaublich verachtend gegenüber allen Menschen ist, die durch Beeinträchtigungen nicht die gleiche Leistung erbringen können, birgt eine solche Einstellung ein fundamentales Problem für jeden der so denkt: Stichwort ‚Bedingter Selbstwert‘.

Hier kommen wir nun nämlich zum Kern des Prinzips ‚Wertvoll sein‘. Was wäre, wenn ich absolut gar nichts machen müsste, um als wertvoll zu gelten? Oftmals kommen bei diesem Gedanken Einwände wie „Ich muss zumindest meinen Teil für die Gesellschaft beitragen und meinen Mitmenschen helfen!“. Doch auch dann befinden wir uns wieder in einem Maßstab. Wer mehr beiträgt und wer mehr hilft, ist mehr wert.

Schon in der Schule kriegen wir unseren Selbstwert als Anknüpfung an unsere Leistung anerzogen. Aber was wäre, wenn das nicht stimmt? (Hinweis: Es stimmt nicht!)

Das Beispiel mit dem Sklaven am Anfang war bewusst gewählt, weil ich nun behaupte, dass wir selber Sklave und unser eigener Sklavenhändler sind, wenn wir unseren Selbstwert in irgendeiner Art an etwas bedingen oder in Relation setzen. Das ganze Konzept des „Wertvoll Seins“ ist eben genau das: Ein menschengemachtes Konzept. Ein Tier stellt sich die Frage seines Wertes nicht. Und wann warst du das letzte Mal im Zoo und hast etwas gedacht wie: „Dieser Tiger da ist besser als dieses Erdmännchen hier!“? Bestimmt noch nie. Der Tiger ist perfekt darin im Tiger-Sein und das Erdmännchen ist perfekt im Erdmännchen-Sein.

Du und ich, wir sind perfekt im Mensch-Sein und unser Wert ist demnach genau so unendlich hoch wie der aller Wesen, weil wir alle Teil einer gesamten Natur sind. Wie absurd, dass wir glauben, dass wir viel erreichen müssten, um wertvoll zu sein. Und wenn wir wenige Menschen in unserem Leben haben, die uns das Gefühl geben wertvoll zu sein, dann oft weil wir nicht gelernt haben uns dieses Gefühl selbst zu geben; Weil wir unseren eigenen absoluten Wert nicht zu würdigen wissen, was leider oft, unterbewusst, abstoßend wirkt.

Das Geborenwerden in diese Welt ist nicht der Beginn einer Prüfung, an deren Ende man bestanden oder versagt hat! Ich weiß, dass dies für viele falsch klingt, aber diesen Gedanken zu verinnerlichen und zu Leben ist die einzige Möglichkeit, um hier und heute schon zu bestehen. Wertvoll ist, wer wertvoll ist und nicht wer Wert schöpft. Die Prüfung des Lebens bestehen wir in jeder Sekunde neu, in der wir einen Atemzug nehmen, der uns ermöglicht weiterzuleben. Wer seinen eigenen, absoluten Wert spürt, schöpft automatisch Wert in allem was er macht. Das bedeutet nicht, dass wir nicht bewusst Gutes tun sollten. Es bedeutet lediglich, dass wir uns frei machen müssen von dem Gedanken, dass unsere Taten unseren Wert als Mensch diktieren. Jeder von uns ist ein Wunder der Natur. Unser Körper und unsere Existenz sind wahnsinnig komplex und einzigartig. Viel faszinierender als alles andere im Universum.

 

Mythos 'Gut und Böse'


Ich weiß was in den Köpfen vieler Leser nun vorgeht: „Adolf Hitler war aber ein bösartiger Mensch und hat Millionen Menschenleben vernichtet. Ich bin ein guter Mensch, weil ich anderen helfe, und deswegen schon wertvoller!“. Die Gräueltaten von Verbrechern an der Menschheit sind natürlich nicht zu entschuldigen. Hass und Verachtung sind jedoch, genauso wie Mitgefühl, keine Emotionen, die aus dem Nichts entstehen. Wir alle würden uns gerne von einem Adolf Hitler menschlich abgrenzen, doch leider geht das nicht. Menschen in ‚gut‘ und ‚böse‘ einzuordnen ist die gleiche Form von Gewalt, wie Menschen in unterschiedliche Rassen einzuordnen. Wer glaubt, dass er keine Kapazität zum „Böse-Sein“ in sich trägt, der solle sich mal das berühmte ‚Milgram-Experiment‘ anschauen, in welchem vermeintlich liebe und unschuldige Personen ohne Probleme dazu gebracht werden konnten einem anderen Menschen unerträgliche Schmerzen zuzufügen. 

Wir alle tragen durch unser Menschsein den Samen für Gewalt und gewaltsamen Hass in uns, doch das macht uns nicht weniger wertvoll. Gewalt aus Affekten ist meist der tragische Ausdruck zutiefst unerfüllter Bedürfnisse. Eine warme und herzliche Erziehung und ein Erwachsenwerden ohne viel psychischer Belastung, führt meist dazu, dass Gewalt nicht die erste Option ist, um Probleme zu lösen und Bedürfnisse zu befriedigen. So auch im umgekehrten Prinzip, weswegen Gewalttäter auch meist (ehemalige) Gewaltopfer sind.

Im Prinzip steht es uns nicht zu über unsere Mitmenschen zu urteilen und uns in unserem Sein von ihnen abzugrenzen. Wir können nur unseren eigenen Wert akzeptieren, wenn wir akzeptieren, dass jeder um uns herum den gleichen Wert hat, egal was er tut oder getan hat.

Mit solch einer Haltung durch das Leben zu schreiten, ermöglicht es weitestgehend frei zu sein von egoistischen Zwängen und liebevolles Mitgefühl mit sich selber und seinen Mitmenschen zu haben. 

Eine sehr gute Möglichkeit, diese Haltung zu kultivieren ist beispielsweise die Meditation. Während einer Meditation machen wir nichts, außer in uns hinein zu spüren. Durch das achtsame Beobachten unser körperlichen und geistigen Empfindungen, nehmen wir auf authentische Weise unser Wertvoll-Sein wahr. Wir nehmen uns als Teil eines großen Ganzen wahr, der wertvoll ist, selbst wenn er hier einfach nur sitzt. Durch dieses achtsame Nichts-Tun kann man sich im einfach nur Dasein üben und danach Losgehen und die Welt zum Besseren verändern.

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